Mit der Vorstellung des sagenumwobenen
iPhone hat Apple es wieder einmal geschafft. Scheinbar ist der einstige Computerhersteller, der vor einem Jahrzehnt noch fast in Vergessenheit geraten wäre, von niemandem mehr aufzuhalten. Auf dem Weg nach oben ist das neue Mobiltelefon nur ein weiterer Schritt, nachdem man mit dem iPod, dem iMac und dem iTunes Music Store schon viele erfolgreiche Produkte platzieren konnte. Analysten
bestätigen den Erfolgskurs, der sich nicht nur im dreifachen Börsenwert im Vergleich zu 1997 zeigt. So konnte Apple seinen Marktanteil bei allen verkauften Desktop- und Notebook-Systemen auf rund 13 Prozent steigern. Allein mit Notebooks konnte Apple 14 Prozent für sich gewinnen und liegt damit hinter HP, Toshiba und Gateway auf dem vierten Platz.
Gründe im Erfolg des Unternehmens sind vielseitig. Nicht nur, dass man mehr als "Life-Style"-Unternehmen auftritt und sich damit von anderen Computerherstellern deutlich absetzt, sondern auch das Gesamtkonzept dürfte für viele Anwender immer interessanter werden. Das wachsende Technologie-Angebot im alltäglichen Leben scheint schier unüberschaubare Ausmaße anzunehmen und allein durch die Vielzahl an Herstellern und Standards blockiert sich eine Vielzahl der Konkurrenz selbst.
Apples kleiner Startpunkt stellte in der Form einen entscheidenden Vorteil dar, weil man viel freier von Standards der Konkurrenz war. Selbst gebaute Computer sind optimal auf ein eigenes Betriebssystem abgestimmt. Eigene Software fügt sich bequem in die Umgebung ein und mobile Technologie wie der iPod und iTV lassen sich problemlos integrieren. Ein System aus einem Guss, dass offensichtlich immer mehr Anwender auf den Geschmack bringt.
Bleibt die Frage, warum anderer Hersteller, die deutlich mächtiger als Apple sind, nicht einen ähnlichen Weg gehen, zumal sie durch Kooperationen nicht einmal gezwungen wären, alles selbst anzubieten. Doch hier scheint die Marktmacht eher zu blockieren als zu befreien. Jeder innovative Schritt birgt die Gefahr in sich, Marktanteile und Kunden zu verlieren. Bestes Beispiel ist wohl immer noch der Entertainment-PC für das Wohnzimmer, der trotz jahrelangen Hypes der Hersteller noch immer die wenigsten Anwender vom DVD-Spieler weglocken konnte — auch wegen der komplizierten Bedienung und unklarer Kompatibilität zu ergänzenden Produkten. Standards für hochauflösende Video-DVDs sind hier wohl nur ein populäres Beispiel.
Man darf gespannt sein, wie sich die nächsten Jahre entwickeln. Noch immer haben viel zu wenige Hersteller begriffen, dass immer weniger Kunden Technik-Fetischisten sind, sondern vielmehr einfache Lösungen für alltägliche Probleme suchen.
[rl]